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Gemeinde Röttenbach im Landkreis Roth - lebendig, sympathisch, modern  |  E-Mail: info@roettenbach.de  |  Online: http://https://www.roettenbach.de

Neujahrsempfang 2019 der Gemeinde Röttenbach

Logo Gemeinde Neujahrsempfang

Röttenbach - 06.01.2019 (jos) - Traditionell hatte Bürgermeister Thomas Schneider die Röttenbacher zum Neujahrsempfang in die Aula der Grundschule eingeladen. Auch wenn der Zuspruch in diesem Jahr nicht ganz so üppig ausfiel wie gewohnt: Viele Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde pflegten den „guten Brauch“, sich gegenseitig ein schönes, neues Jahr zu wünschen. Das Ganze bei Blasmusik, Sekt und Brezeln.

 

Nachdem die drei Sternsinger ihren Auftritt hatten, nahm Bürgermeister Schneider diesen Vormittag zum Anlass, in einer eher nachdenklichen Rede auf die vom Verfall bedrohten Werte der Gesellschaft einzugehen. Er stoße in der heutigen Zeit auf eine zunehmenden Respektlosigkeit gegenüber Staatsbediensteten und Vertretern öffentlicher und sozialer Einrichtungen. Darüber hinaus herrsche seiner Meinung nach ein zunehmend aggressiver Umgangston. Manchmal könne man den Eindruck gewinnen, man befände sich „in einem Kriegszustand“. Alles werde bekämpft, alles müsse ausgerottet werden, alles werde maßlos überzeichnet. Amtliche Statistiken würden in skrupelloser Weise verfälscht, um sie für die eigene Argumentation zu missbrauchen. Das alles stimme ihn sehr nachdenklich, beteuerte Bürgermeister Schneider vor seiner Zuhörerschaft. Dabei überkomme ihn ein mulmiges Gefühl, ob er sich nicht bereits zu einem „Vergangenheitsbeschöniger“ entwickelt habe und von einigen bereits als „alter, vertrockneter Kauz“ verkannt würde, der nur den alten Zeiten nachtrauere.

 

„Zu meiner eigenen Gewissensberuhigung“, fuhr Schneider in seiner Ansprache fort, „habe ich die Frage dann Gott sei Dank schnell mit einem Nein beantworten können. Ich finde ja nicht, dass früher alles besser war als heute. Nur einigen Dingen trauere ich schon nach.“ Dazu gehören gewisse Grundregeln im Umgang miteinander. So zum Beispiel der grundsätzliche Respekt vor älteren Leuten, Vorgesetzten und staatlicher Autorität – auch wenn einzelne Vertreter dieser öffentlichen Organe Fehler begehen würden. Das sei menschlich und daher auch entschuldbar. Er befürworte keine blinde Amtsgläubigkeit, aber das Mißtrauen gegenüber den Vertretern öffentlicher Belange kann nicht allein bestimmend für das Miteienander in unserer Gesellschaft sein. Fast könne man den Eindruck gewinnen, als würde jeder nur noch seine Rechte wahrnehmen, von seinen Pflichten gegenüber der Gemeinschaft aber nichts wissen wollen. Der Unmut in der Gesellschaft werde von bestimmten Medien geschürt, und „das Misstrauen mit Futter versorgt“. Man diskutiert nur noch über korrupte Politiker und herzlose Pfarrer, „deren einzige Bestimmung es zu sein scheint, die Allgemeinheit zu hintergehen, arme Witwen um ihr Hab und Gut oder die Natur um ihre letzten Schönheiten zu bringen“.

 

„Selbsternannte Erzengel“ seien heute die wahren Gutmenschen in der Gesellschaft. Doch in Wahrheit betreiben sie das Geschäft der Emotionalisierung des öffentlichen Zusammenlebens. Jenseits aller sachlichen Vernunft werde in allen Lebensbereichen nur noch an die Gefühle der Menschen appelliert. Der „Homo oeconomicus“ – so z.B. jeder, der sich ein neues Auto kaufen möchte, wird nicht mehr mit Sachargumenten, sondern mit Gefühlen zu überzeugen versucht – man brauche sich nur die Werbung für SUVs anzusehen. Und auch in der Politik wird nicht mehr die Ratio bemüht, sondern die Gefühlswelt, was man am Beispiel des Brexit aktuell gut nachvollziehen könne. Entscheidungen fallen heute eher „aus dem Bauch heraus“ als nach Abwägung sachlicher Argumente. Auch in den bayerischen Landtagswahlen wurden 2018 Emotionen geschürt, vor allem in Sicherheitsfragen. Hier spielte sich vor allem „eine Partei“ in den Vordergrund, und zuweilen musste man den Eindruck bekommen, die Stadt Nürnberg sei ein gefährlicheres Pflaster als die Elendsviertel in Bogota. In Wahrheit war Bayern noch nie so sicher wie heute.

 

Um dem entgegenzusteuern, solle man, so Schneider weiter, bereits vor der eigenen Haustüre kehren. Selbst in dem „noch recht überschaubaren Gemeinderat höre ich trotz aller vorliegender Argumente immer wieder, ‚Ja, aber ich habe das Gefühl, dass …‘ “, und schon müsse die Ratio sich zurückziehen und um Schadensbegrenzung bemühen. Auch würden „Erfolge anderer schlecht geredet und bei der Bevölkerung Angst vor einer drohenden Überschuldung geschürt, die faktisch definitiv nicht zu belegen war, um daraus politisches Kapital zu schlagen“. Wer Gefühle erzeugt, anstatt sich mit nachprüfbaren Sachargumenten durchzusetzen, dem bleibe der Vorwurf der Manipulation nicht erspart. Vernunft und Verstand müssen gegenüber den Emotionen und Bauchgefühlen wieder die Oberhand gewinnen.

 

Mit Aristoteles sei er der Meinung, so Schneider mit dem Blick nach vorne, man müsse in allen Dingen die gute Mitte finden, was nicht mit Mittelmaß gleichzusetzen sei. Jeder müsse bei sich beginnen und wieder versuchen, ausgewogen zu werden. Der Umgangston und der Respekt gegenüber den Mitmenschen müsse wieder gepflegt werden, und der gesunde Menschenverstand müsse wieder die Oberhand gewinnen. Das sei der Mittelstand, zu dem er sich und die Besucher des Neujahrsempfangs zähle, der Gesellschaft schuldig. Nicht mehr alles besser wissen wollen, Nicht mehr den Oberlehrer spielen, Nicht mehr wegschauen – „Raus aus der Komfortzone!“ und „Zivilcourage beweisen“ gab Bürgermeister Schneider seinen Gästen mit auf den Weg, schließlich „gäbe es mehr zu tun als je zuvor“.

 

In zwei abschließenden Grußworten bedankten sich Marlene Mortler, MdB (CSU), und Bürgermeisterkollege aus Kammerstein Walter Schnell (Freie Wähler) für die Einladung. Während die Bundestagsabgeordnete sich für die Landwirte stark machte, die für Dinge verantwortlich gemacht würden, für die sie keinerlei Schuld trügen – so z.B. für das Bienensterben (Mortler dazu im O-Ton: „Wir haben noch nie soviele Bienen gehabt wie heute“) – lobte der Kammersteiner die Röttenbacher für ihre Brauchtumspflege zu Heilig-Drei-Könige und beglückwünschte seinen „Bauern-Bürgermeister-Kollegen“ (Schneider dazu im O-ton: „Das ist eine Ehrenbeuzeugung für mich“) zu solch klugen und tiefschürfenden Gedanken anlässlich eines Neujahrsempfangs.

 

BM Schneider bei seiner Rede